Schneeberger Stadtanzeiger / vom 22. März 2011
Schleierhaftes wird entschleiert
„Serpil Pak, die Passdeutsche mit türkisch migrantischem Hintergrund, beherrscht die Raffinesse der deutschen Sprache besser als mancher Deutsche von Geburt. Mit viel Witz und wortreich ließ sie vergangenen Freitag in der „Goldnenen Sonne“ die sogenannte Parallelwelt im Berliner Stadtbezirk Neukölln lebendig werden. Dabei sparte sie die tiefsten Schichten des Gefühlslebens nicht aus. Beim tiefgründig-grotesken Analysieren der menschlichen Seele kommt ihr das abgeschlossene Psychologiestudium zugute. Und da sie in zwei Kulturen aufgewachsen ist, wirken die Vergleiche wie aus dem Handgelenk geschüttelt.
Ihre Geschichten sind aus dem Leben gegriffen, scharf analysiert und pointenreich erzählt. Dabei nimmt sie ihre Lnadsleute ebenso aufs Korn, wie die anderer Nationalitäten. Schleierhaftes wird wortreich entblößt, … Was da in knapp zwei Stunden über die Bühne lief, forderte die Aufmerksamkeit und den Verstand der Zuschauer und brachte die Erkenntnis, dass das vermeintlich Fremdartige so fremd uns gar nicht ist.“
Münstersche Zeitung / vom 7. Februar 2011
Heimspiel der Migranten
„…Das Mokido beim „Kinderhauser Comedycocktail war ausverkauft. Für die drei Künstler ein Heimspiel…Der Auftritt der Orientwalküre Serpil Pak reißt das überwiegend weibliche Publikum von den Sitzen. … Für das Gastspiel kehrt Sie heim aus einer der größten türkischen Städte: Berlin –Neukölln. Mit ihrem Programm „In Schleier Haft“ verkörpert sie das genaue Gegenteil einer wohlgeratenen türkischen Tochter. Mit ganzem Körpereinsatz begeistert Pak, tanzt parodiert und grimassiert. Ein Abend, der beweist, dass die Themen Integration und Migration nicht stets als Problematik gesehen werden müssen, sondern auch zum Lachen anregen können.“
Ruhrnachrichten | vom 07.09.2008
Serpil Pak begeistert Schüler mit deutsch-türkischer Comedy
Migrationsprobleme sind selten ein Grund zum Lachen. Bei Serpil Pak schon … mit dem Ziel deutsch türkische Integration zu fördern. „Gibt's hier außer mir noch andere Kanaken?” begrüßt Serpil Pak frech das altersgemischte Publikum im Forum der Gustav Heinemann Gesamtschule.
Um dann so richtig loszulegen: So lüftet sie in ihrem gesellschaftskritischen Stück nicht nur den Schleier der „Bin Lagerfeld Kollektion”, sondern auch das Mysterium der deutsch türkischen Frau. „Mit dem Schleier kann ich super in der U-Bahn flirten” – Sie wirft einen lasziven Blick ins Publikum – ein Schüler betritt spontan die Bühne.
Serpil bietet ihm die Verlobung an. So sei das doch unter Türken. „Oder?” Provokativ spielt Serpil mit Vorurteilen, türkischem Akzent und Wortspielen. Und einiges läuft dabei in Serpils Paks „Multi-Kulti-Alltag” schief: Serpils Mutter beschwert sich beim Doktor über ein „Hähnchenauge”, und der Gemüseverkäufer will mit seinem Ausruf: „Ratsch!” eigentlich nur „Rettich” verkaufen.
Ich „verwurste Sprache gerne”, so Serpil Pak, die sich selbst als „depressiven Diplom-Psycho” bezeichnet und kaum ein Vorurteil „unverwurstet” lässt. Wortverdreher tauchen auch in ihrem Vornamen auf: Eigentlich heißt sie Persil. Wie geht man damit um, ein Waschmittel zu sein? Man verfällt in manischen Shoppingrausch und tanzt seinen Namen.
„Serpil Pak hat ernste Themen humorvoll präsentiert, das hat mir besonders gut gefallen”, sagt Schülerin Bettina Wopenka. Meltener Gensch fügt hinzu: „Ich hätte nicht gedacht, dass sie so offen sein würde.”
(Text: Katrin Langhans)
Neue Osnabrücker Zeitung | von 29.06.2008
„Hähnchenauge an Fußfinger”
Fatih Çevikkollu steht an diesem Abend nicht als Einziger im Garten des Gemeinschaftszentrums Ziegenbrink vor dem Publikum, sondern auch seine Kollegin Serpil Pak und sein Kollege Murat Topal. In diesem „Komedibazar” bekommt das Publikum drei Charaktere geboten, die sich auf höchst amüsante Art mit den vielfachen Facetten des Zusammenlebens von Deutschen und Türken beschäftigen.
Serpil Pak, diplomierte Psychologin, die ihren Job für eine Karriere als Komödiantin an den Nagel hängte, betrachtet das Leben in Deutschland aus der Perspektive einer Frau … Mit der Beschreibung ihrer Mutter, die sie als „Hypochonder mit ADS” bezeichnet, provoziert sie bei Deutschen wie „Passdeutschen” wahre Lachsalven: „Herr Doktor Herr Soktor, bin krank, habe Hähnchenauge am Fußfinger.”
(Text: Tom Bullmann)
L-Mag | von Mai 2008
Gibst du oder gibst du nicht?
Der platte Kalauer ist nicht ihre Sache. Sie ist zwar Comedien, spielt aber gekonnt mit Sprache und erzählt ihre ganz eigenen aberwitzigen Geschichten. … So sollte man auf die Frage: „Gibst du oder gibst du nicht” vorsichtig antworten solle.
Heißt es doch etwa „zu mir oder zu dir?” Lebensnah, überspitzt und mit leisem Lächeln spielt sie eierschaukelnde Jungmachos, liebeskranke türkische Gemüsehändler, verklemmte Lesben und ordentliche Deutsche. Ihr Programm ist eine Liebeserklärung all jene und an Berlin, die Stadt, in der sie lebt. Sie spielt dabei keine „Cindy aus Neukölln”, sondern bleibt wandlungsfähig sie selbst.
Alle ihre Geschichte sind mitten aus dem Leben, ihr Wiedererkennungswert provoziert die Lacher im Publikum, das gebannt in den Serpil Pak Kosmos eintaucht. … „Lachen ist ein Bewältigungsmechanismus” sagt sie, und am liebsten solle sich ihr Publikum nach der Vorstellung die Bäuche halten. „Ich mache Therapie, so oder so”.
(Text: Gudrun Fertig)
Berliner Morgenpost | vom 28.01.2008
Frauenpower
Serpil Pak hat es nicht leicht. Als Berufstürkin und Passdeutsche ist sie in einem zwangschizophrenen, transkulturellen Spannungsfeld gefangen, das sie nur dank ihre Psychologiestudiums und ihrer manischen Kaufsucht erträgt.
Shoppen gegen die nächste Depression, wenn ihre Mutter mal wieder als Hobbyärztin mit freiverkäuflichen Antibiotika aus der Türkei die gesamte Nachbarschaft kuriert oder der türkische Gemüsehändler die Transe auf dem Straßenfest doch tatsächlich für eine sexy Blondine hält.
Die Kabarettistin, die gerade mit ihrem Solodebüt „In Schleier Haft” Premiere feierte, ist heute zu Gast bei Bartuschka. … Stage Diven – mal ganz orientalisch.
Frankfurter Rundschau | vom 16.01.2008
Machos ohne Vorbilder (Kabarettistin Serpil Pak im Interview)
(…) Frau Pak, Sie haben sich als türkisch-stämmige Psychologin und Kabarettistin intensiv mit den Problemen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund befasst. Warum werden überdurchschnittlich viele Jugendliche aus dieser Bevölkerungsgruppe kriminell?
Wenn Sie Jugendliche derselben sozialen Schicht vergleichen, ist die Kriminalität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht überproportional hoch. Es liegt also mehr an der sozialen als an der ethnischen Herkunft. Jugendkriminalität ist oft Suche nach Anerkennung und Respekt.
Wenn Jugendliche weder die türkische noch die deutsche Sprache richtig beherrschen und keine Chance sehen, an dieser Gesellschaft erfolgreich teilzuhaben, dann nehmen sie sich die Macht, die sie haben – und das ist die Macht ihrer Fäuste. Sie spüren genau, dass die Gesellschaft Angst vor ihren Fäusten hat. Das reizen sie aus.
(Text: Gaserow)
Der Tagesspiegel | vom 11.01.2008
Weiblich, türkisch, witzig
Comedy war lange eine Domäne der Männer. Bis Anke Engelke und Cordula Stratman kamen. Und Django Asyl und Kaya Yanar bewiesen schließlich, dass Deutsche den Witz nicht für sich allein gepachtet haben. Serpil Pak verbindet nun das Beste von allem: Frau, türkischstämmig und vor allem witzig.
Seit sieben Jahren lebt die heute 44-Jährige in Neukölln, nachdem sie „mit neun Jahren als Migrantenbrut nach Deutschland verschleppt” wurde, wie sie lachend erzählt. „Ich machte schnell Karriere als Türkin vom Dienst als Übersetzerin auf Ämtern und bei Ärzten.”
Nach Abi und Studium arbeitete Serpil Pak elf Jahre als Diplompsychologin, betreute Klienten, leitete Fortbildungskurse für Richter und wirkte an einem Programm zur vorbeugenden Verhinderung von Gewalt mit. Aber irgendwann hatte sie von allem genug und wechselte auf die Bühne.
In ihrem durchaus politischen Programm nimmt sie vieles auf die Schippe aber besonders sich selbst oder Begriffe wie „interkulturell” oder gar „transkulturell”. Das sind für sie „verbale Verschleierungen”. Kein Wunder also, dass sie ihr Bühnenprogrammm "In Schleierhaft" nennt.
Beim Publikum, das meist zur Hälfte aus Deutschen besteht, kommt das an. Vor allem, wenn sie deutsche oder türkische Redewendungen in die jeweils andere Sprache übersetzt und spitzzüngig kommentiert. Wer das Programm sehen will: Heute Abend und am Wochenende ist Gelegenheit dazu.
(Text: hki)
AVIVA-BERLIN.de | vom 09.01.2008
Serpil Pak „In Schleier Haft”
Nichts und niemand wird verschont. Nicht die modische türkische Schleierträgerin, der Ordnungssinn der Deutschen oder der türkische Mann, der seiner Frau beim CSD in Kreuzberg die schöne Drag Queen als wahres weibliches Vorbild zeigt.
Wo andere dicke Bücher mit mahnendem Zeigefinger schreiben, nimmt Serpil Pak in ihrem rund zweistündigen Soloprogramm scharfe Ironie und aberwitzige Geschichten zu Hilfe. In zwei Kulturen aufzuwachsen, das schärft eben den Blick auf beide Seiten. Und Lachen heilt so manche Multikulti-Wunde.
Serpil Pak setzt bei ihrer Stand-up-Comedy auf plastische Geschichten mit Wiedererkennungswert und erzählt charmant aus ihrem Fundus türkischer und deutscher Eigenheiten. Sie tanzt und rappt, teilt aus und steckt ein, ist ernst oder komisch manchmal ist Letzteres schwer zu entscheiden.
Im Grunde ist ihr Programm im besten Sinne politisch. Ihre Geschichten sind aus dem Leben gegriffen, ungeschönt. Sie traut sich, die Welt aus weiblicher Sicht zu betrachten, wenn es nötig ist, macht sich aber genauso über eierschaukelnde Jungmachos wie über verklemmte Lesben her.
Nur eines ist sie nie: berechenbar. Die Lacher im Publikum kommen so immer aus unterschiedlichen Ecken. Ein Programm mitten aus Berlin.
(Text: Gudrun Fertig)
Berliner Morgenpost | vom 08.01.2008
Alltagswahn aus Sicht einer Berufstürkin
Eines hat Serpil Pak Heiligabend auf der türkischen Beschneidungsfeier wirklich vermisst: einen Tannenbaum. Dann hätte man gleich die Goldgeschenke dranhängen können. Der Alltag einer Passdeutschen mit türkisch-migrantischem Hintergrund ist zwar nicht immer ganz leicht, hat aber auch den Vorteil, dass man sich im transkulturellen Selbstbedienungsladen aus mehreren Schubladen bedienen kann.
Serpil Pak, Diplompsychologin und seit 1992 auf deutschen Kabarettbühnen, feierte mit ihrem Solodebüt „In Schleier Haft” im Saalbau Neukölln Premiere. Natürlich geht es dabei um Multikulti, um deutsch-türkische Befindlichkeiten und Ressentiments, aber auch um Sex und das Schaukeln dicker Eier im Ländervergleich.
Obgleich grundsympathisch, fehlt es Serpil Pak im ersten Teil noch an Lockerheit, nach der Pause nimmt der Abend endlich an Fahrt auf. Der humorvolle weibliche Einblick in das schizophrene Gefühlsleben einer Berufstürkin und Bundesdeutschen auf einer Comedybühne war seit langem überfällig.
(Text: Ulrike Borowczyk)
TAZ Online | vom 03.01.2008
Multitaskingpsycho
Das von Vorurteilen herbeihalluzinierte „Mysterium der türkischen Frau” zu entschleiern, hat sich Serpil Pak, Neuköllnerin aus Leidenschaft, zur Aufgabe gemacht. Die Stand-up-Comedy der Passdeutschen mit türkisch migrantischem Hintergrund geht unters Kopftuch.
Wie es sich für eine anständige Wortkünstlerin gehört, präsentiert Pak ab morgen Abend multiple Persönlichkeitsfacetten, um dem zwangsschizophrenen Leben im Spannungsfeld transkultureller Parallelwelten auf den tiefsten Grund zu gehen. Darunter: die integrierte Bundestürkin, die Orientwalküre, die Sexkoryphäe und die schlichte Psychotikerin.
Siegessäule | von Januar 2008
Serpil Pak bricht in ihrem neuen Programm … alle Rekorde
Natürlich werden Politiker aller Parteien sie gerne benutzen. Zum Vorzeigen, als Beispiel für gelungene Integration: Serpil Pak ist relativ jung, schön und eine Traumdeutsche mit echt migrantischem Hintergrund. „Genauer gesagt: Neukölln.”
Die „Berufstürkin” sieht sich allerdings eher als „Migrationsopfer” und bewältigt ihr zwangsschizophrenes Leben im Spannungsfeld transkultureller Parallelwelten nur „dank eines erfolgreich abgeschlossenen Psychologiestudiums”.
Was sie nicht davor bewahrt, auf dem Weg in die nächste Depression kaufsüchtig durch deutsche Shoppingtempel zu rennen oder sich sonst wie eigenständig unglücklich zu machen. Das ist saukomisch.
Pak arbeitet sozial gerecht und bezirksübergreifend, die Sonntags-Cluber kamen im letzten Monat schon in ihren Genuss, deswegen feiert sie mit „In Schleier Haft” jetzt Heimatpremiere im Saalbau Neukölln. Volles Haus, allesklar, sonst wissen wir, wo ihr wohnt.
(Text: Paul Schultz) |